Sumi – Material, Herstellung und Verwendung japanischer Tusche

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Kurz gesagt

Sumi (墨) ist die ostasiatische Tusche aus Ruß und tierischem Leim. Traditionell wird sie als fester Stab hergestellt und auf dem Reibstein mit Wasser angerieben. Nara ist seit Jahrhunderten das wichtigste Herstellungszentrum Japans.

Ein dunkler Tuschestab und ein Pinsel liegen auf einem Reibstein mit angeriebener Tusche
Tuschestab, Pinsel und Reibstein, vor 2006. Tusche entsteht beim Anreiben des festen Stabs mit Wasser auf dem Reibstein.Foto: Sparkit, Wikimedia Commons, Public Domain · Public Domain (laut Dateiseite / per file page)

Was bedeutet Sumi?

Sumi (墨) ist das japanische Wort für Tusche – genauer für die schwarze Tusche aus Ruß und Bindemittel, mit der in Ostasien geschrieben und gemalt wird. Das Wort bezeichnet sowohl den festen Tuschestab als auch die angeriebene Flüssigkeit. Ohne Sumi gibt es weder Shodō noch Tuschemalerei: Laut der Darstellung zur Nara-Tusche ist Tusche das vielleicht grundlegendste Medium ostasiatischer Kalligrafie und Malerei.[1]

In Japan gehörte Tusche zu den „Vier Schätzen des Schreibtischs“ – Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier –, die auch in Holzschnitten und Malerei der Edo-Zeit ein wiederkehrendes Thema blieben.[3]

Woraus besteht Sumi? Ruß und Leim

Traditionelle japanische Tusche besteht aus zwei Hauptbestandteilen: Kohlenstoffruß und tierischem Leim (Nikawa). Der Leim wird durch Auskochen der Lederhaut von Tieren wie Rind oder Hirsch gewonnen und bindet den Ruß. Um den Geruch des Leims zu mildern, werden Duftstoffe wie Moschus, Borneol oder Pflaumenblütenessenz zugesetzt – daher der klare Duft beim Anreiben.[1]

Kiefernruß und Lampenruß

In der Nara-, Heian- und Kamakura-Zeit wurde für Nara-Tusche bevorzugt Shōen verwendet: Ruß aus harzreichem Kiefernholz, das zerkleinert und in einem Ofen verbrannt wurde. Zu Beginn der Muromachi-Zeit soll ein Mönch des Tempels Kōfuku-ji Tusche aus dem Ruß von Votivöllampen vor Buddha-Statuen hergestellt haben. Diese Lampenrußtusche (Yūen-zumi) ergab ein tiefes Schwarz und wurde zur meistverwendeten Tusche.[1]

Wie wird Sumi hergestellt?

Nur wenige Arbeitsschritte lassen sich mechanisieren; Tusche wird bis heute von erfahrenen Handwerkerinnen und Handwerkern nach alten Methoden gefertigt. Die Beschreibung der Nara-Tusche nennt folgende Schritte:[1]

Ablauf[1][2]

  1. 1 · Ruß sammelnRuß entsteht durch Verbrennen von Kiefernholz oder durch Flammen von Öllampen. Kobaien in Nara beschreibt, dass Ruß durch behutsames Erhitzen von Ölen und Harzen über Kerzenflammen gewonnen wird.
  2. 2 · Mischen und KnetenDer Ruß wird mit erwärmtem Leim vermischt und zu einer Kugel geknetet – zuerst mit dem ganzen Körpergewicht (Ashineri, Fußkneten), danach fein mit den Händen (Teneri).
  3. 3 · FormenDie Masse wird in hölzerne Formen gepresst und eingespannt. Eingeschnitzte Muster und Schriftzüge prägen sich in die Tusche ein.
  4. 4 · Langsam trocknenWeil zu schnelles Trocknen Risse verursacht, ruhen die Stäbe etwa 10 bis 30 Tage in Holzasche, danach hängen sie zusammengebunden zum Nachtrocknen.
  5. 5 · VollendenDie Oberfläche wird mit einer Muschelschale poliert; manche Stäbe erhalten Goldstaub oder farbige Pigmente.

Da tierischer Leim bei Wärme leicht verdirbt, wird Tusche nur in den kälteren Monaten vom Herbst bis zum Winter hergestellt.[1]

Warum ist Nara so wichtig für japanische Tusche?

Der Überlieferung nach begann die Geschichte der japanischen Tusche im Jahr 610, als ein koreanischer Mönch namens Damjing (japanisch Donchō) die Herstellungsmethode nach Japan brachte – die Quelle formuliert dies ausdrücklich als „es heißt“. Mit der Verlegung der Hauptstadt nach Nara zu Beginn des 8. Jahrhunderts verlagerte sich auch die Tuscheherstellung dorthin. Auch nach dem Umzug des Hofes 794 blieb Nara mit seinen vielen Tempeln religiös bedeutend: Für das Abschreiben von Sutren wurde viel Tusche gebraucht, und die Wälder lieferten Rohstoff.[1]

Traditionelles japanisches Holzgebäude mit dunklem Ziegeldach und Ladenfront in einer Straße in Nara
Ladengebäude von Kobaien, Nara, Oktober 2014. Kobaien in Nara gehört laut offizieller Reiseinformation zu den ältesten Tuscheherstellern Japans.Foto: Degueulasse, Wikimedia Commons, CC BY 3.0 · CC BY 3.0

Heute stammen laut derselben Darstellung rund 95 Prozent der in Japan hergestellten Sumi-Tusche aus Nara; nur wenige Orte verfügen über die nötigen Verfahren und Materialien. Zu den ältesten Herstellern zählt Kobaien, das nach Angaben der offiziellen Nara-Reiseinformation seit 1577 Tusche auf traditionelle Weise herstellt.[1][2]

Zeitleiste

  1. 610 (Überlieferung)Herstellungsmethode laut Überlieferung durch den Mönch Damjing/Donchō nach Japan gebracht.[1]
  2. Anfang 8. Jh.Mit der Hauptstadt zieht die Tuscheherstellung nach Nara.[1]
  3. Nara- bis Kamakura-ZeitKiefernruß (Shōen) bevorzugt.[1]
  4. Beginn Muromachi-ZeitLampenrußtusche (Yūen-zumi) am Kōfuku-ji.[1]
  5. 1577Kobaien beginnt laut Reiseinformation mit der Tuscheherstellung.[2]
  6. heuteRund 95 % der japanischen Sumi-Tusche aus Nara.[1]

Tuschestab oder Flüssigtusche?

Der klassische Weg ist der feste Tuschestab. Daneben gibt es gebrauchsfertige Flüssigtusche, die heute im Unterricht und in der Praxis verbreitet ist, weil sie Zeit spart und gleichmäßig ist. Zusammensetzungen flüssiger Tuschen unterscheiden sich je nach Hersteller; hierzu gibt es vor allem Herstellerangaben. Welche Variante eine Künstlerin oder ein Künstler verwendet, ist eine persönliche Arbeitsentscheidung.

Flacher Lackkasten mit Goldstreuung und Perlmutteinlagen
Kasten für Reibstein und Schreibgerät (Suzuribako), 19. Jh.. Kostbare Schreibkästen zeigen, welchen Rang Schreibgerät in Japan genoss.The Metropolitan Museum of Art, New York (Public Domain) · CC0 1.0 (Met Open Access)

Wie reibt man Tusche auf dem Suzuri an?

Vor Arbeitsbeginn reibt die Kalligrafin oder der Maler den Tuschestab mit Wasser auf dem Reibstein hin und her, bis die Tusche bereit ist. Die Darstellung zur Nara-Tusche beschreibt diesen Moment auch als Zeit, den Kopf frei zu machen; erst danach beginnt das Schreiben oder Malen. Deshalb wurden Tuschestäbe oft kunstvoll verziert.[1]

Rechteckiger Reibstein aus Schiefer mit Mulde, daneben ein Tuschestab und Pinsel aus Bambus
Reibstein, Tuschestab und Pinsel, Japan, 19. Jh., Foto 2020; Objekte 19. Jh.. Teile eines Schreibkastens (Suzuribako) aus dem 19. Jahrhundert: Reibstein, Tuschestab und Pinsel gehören zusammen.Foto: Paolo Terzi, Museo Civico di Modena, CC BY-SA 3.0 · CC BY-SA 3.0
Kleiner grün glasierter Reibstein aus Keramik mit erhabenem Rankenmuster
Reibstein (Suzuri) mit Kürbisranke, Mino-Keramik, spätes 16.–frühes 17. Jh.. Reibsteine waren nicht nur Werkzeug, sondern auch gestaltete Objekte – hier aus glasierter Keramik statt Stein.The Metropolitan Museum of Art, New York (Public Domain) · CC0 1.0 (Met Open Access)

Wie prägen Verdünnung, Pinsel und Papier die Spur?

Die sichtbare Spur entsteht aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Wie dicht oder verdünnt ist die Tusche? Wie viel nimmt der Pinsel auf, wie elastisch ist er? Wie saugfähig ist das Papier? Und wie schnell, mit wie viel Druck wird geschrieben? Satte Tusche ergibt tiefes Schwarz; ein fast trockener Pinsel reißt auf und lässt das Papier durchscheinen. Auf saugendem Papier läuft Tusche aus und bildet weiche Ränder.

Sumi in Kalligrafie und Tuschemalerei

Dieselbe Tusche dient der Schrift wie der Malerei. In der Kalligrafie trägt sie Zeichen und Bewegung; in der Tuschemalerei (Sumi-e) bildet sie mit Abstufungen von Schwarz Landschaften, Pflanzen und Figuren. Historisch begegnen sich beide oft auf einer Hängerolle.[3]

Tuschehandwerk heute

Tuscheherstellung ist ein spezialisiertes Handwerk mit saisonaler Produktion, langen Trocknungszeiten und wenigen Standorten. Der Laden von Kobaien gilt laut offizieller Reiseinformation als Anlaufstelle für Kalligrafinnen, Kalligrafen und Künstler:innen; auf Nachfrage kann man die Werkstatt sehen, in der Ruß gewonnen wird. Diese wirtschaftliche Konzentration erklärt, warum ein großer Teil der in Japan gefertigten Tusche aus einer einzigen Region stammt.[1][2]

Sumi in den Originalen bei SumiFox

Die derzeit angebotenen Werke sind laut Produktangaben mit Sumi-Tusche auf Papier ausgeführt. Welche Tuschestäbe, Hersteller oder Rußarten die Künstlerinnen verwenden, ist nicht dokumentiert – dazu machen wir deshalb keine Angaben.

Fragen und Antworten

Ist Sumi dasselbe wie Tinte?
Sumi ist eine Tusche aus Ruß und tierischem Leim. Viele moderne Tinten basieren auf anderen Farbmitteln und Bindern.
Warum wird Tusche nur im Winter hergestellt?
Der tierische Leim verdirbt bei Wärme leicht; daher wird von Herbst bis Winter produziert.
Welche Tusche verwenden die Künstlerinnen bei SumiFox?
Die Produktangaben nennen Sumi-Tusche auf Papier. Weitere Details zu Herstellern sind nicht dokumentiert.

Quellen

  1. Art Research Center, Ritsumeikan University, mit Kyoto Women's University (Google Arts & Culture) (Murata Takashi (Text); Informationen: Nara Ink Organization): Nara Ink – Japan's oldest and largest sumi ink production area. https://artsandculture.google.com/story/nara-ink-art-research-center-ritsumeikan-university/0wVxpN9NWAVvIw?hl=en (abgerufen am 11. Oktober 2026)
  2. Nara Prefecture – Official Nara Travel Guide: Kobaien 古梅園. https://www.visitnara.jp/venues/S01072/ (abgerufen am 11. Oktober 2026)Offizielle Reiseinformation; Angaben zur Werkstatt beruhen auf Darstellung des Betriebs
  3. The Metropolitan Museum of Art, New York: Brush Writing in the Arts of Japan (Ausstellung / exhibition, 17.08.2013–12.01.2014). https://www.metmuseum.org/exhibitions/listings/2013/brush-writing (abgerufen am 11. Oktober 2026)
  4. The Metropolitan Museum of Art, New York: Open Access at The Met. https://www.metmuseum.org/hubs/open-access (abgerufen am 11. Oktober 2026)

Bildnachweise